Weltraumjogger im Schnee

Unser alljährlicher Skilanglaufurlaub im Schnee sollte mir dank überraschend intensiver und vor allem spezifischer Vorbereitung im ungewöhnlich winterlichen Berlin eine besondere Herausforderung bieten: Der in der Zeit unseres Aufenthalts in Ramsau stattfindende Volkslanglauf hatte auch einen klassischen Wettbewerb über 30km im Angebot. Nachdem vor einigen Jahren ein ähnliches Ereignis während unseres Urlaubes in Radstadt wegen Schneemangel abgesagt wurde, war die Motivation groß, hier endlich einmal eine neue Form des Volkslaufes auszuprobieren.

Aber in diesem Winter spielte das Wetter verrückt: Während wir in Berlin so viel Schnee wie lange nicht mehr hatten, war jenes Element in Ramsau recht spärlich vertreten. So war zwar ein paar Tage vor unsere Anreise im Internet die Meldung zu lesen „Tour de Ramsau gesichert“, beim Nachlesen fand ich aber heraus, dass eben jener Klassik-Wettbewerb gestrichen werden musste. Alternativ blieben nun nur 10 oder 25km Skating sowie ein Bergauflauf über 6,5km. Da mir nun Skating aber insbesondere für längere und bergige Strecken nicht ganz so liegt, interessierte mich der zeitliche Vergleich zu meiner 10km Laufzeit.

Finisherin mit Fans

Mit der Sonne um die Wette strahlen

Nach zwei Tagen spezieller Vorbereitung vor Ort ging ich also am Samstag bei herrlichem Sonnenschein mit knapp 100 Mitstreitern an den Start des „Bewerbes“, voller Spannung und Unkenntnis über Sitten und Gebräuche und über meinen Leistungsstand im Vergleich zum Rest des Feldes. So stellte ich mich am Start weit hinten auf und hielt mich aus allen Drängeleien raus. Einige verhakelten sich hektisch im Gemenge auf den ersten Metern, diesem Schicksal entging ich dank meiner defensiven Taktik. Zunächst ging es erstmal gleichmäßig sachte bergauf, das Feld sortierte sich ein wenig und ich war glücklich, dass doch auch einige hinter mir waren. Dann kam der von mir gefürchtete saftige steilste Anstieg des Parcours. Hier wirkte sich die zurückhaltende Taktik eher negativ aus, ich war eingekeilt und musste watscheln, wo ich doch eigentlich noch ein bisschen hätte gleiten können. Erst gegen Ende des Anstieges konnte ich eine kleine Lücke nutzen und ein, zwei Plätzchen gut machen. Jetzt ging es moderat weiter, die Gleiter waren gefragt. Vermutlich lag es am Material, dass sich zwei meiner Mitstreiterinnen nach vorne absetzten konnten, obwohl ich noch sehr locker war. Aber aus der Erfahrung vom letzten Anstieg schöpfte ich Hoffnung. Nach der Wende kam dann die erwartete Dreier-Anstieg-Kombination, von Hügel zu Hügel länger und steiler. Bei Hügel Nr. 1 war ich langsam dran, bei Nr. 2 konnte ich überholen, bei Nr. 3 war ich weg – und zwar richtig. Da schadete auch eine kleine Bauchlandung am Ende der folgenden Abfahrt nicht mehr. Jetzt ging es fast nur noch bergab, ich konnte nur hoffen, dass die Schwäche im Gleitbereich mir nicht schadete. Aber ich hatte mich sehr weit abgesetzt. Einen Platz konnte ich noch gut machen, weil der vor mir laufende Mitstreiter einen falschen Abzweig wählte. Dann noch über die Brücke, eine Kurve um den Speicherteich, unter der Brücke durch und ins Ziel schieben. In der letzten Kurve fuhren mir fast noch die drei Führenden des später gestarteten 25km-Rennens über die Ski – gerade noch gut gegangen. Und dann die strahlende Einfahrt ins Ziel – Blick auf die Uhr: 40:17min! Das hätte ich nie erwartet. Ich hatte gedacht, dass ich es vielleicht unter 50min schaffen könnte, aber jetzt so knapp an den 40min gescheitert. Ohne den kleinen Sturz und am ersten Berg nicht eingeklemmt hätte das doch geklappt…

Ich war trotzdem überglücklich, dass hatte um vieles mehr Spaß gemacht als ein vergleichbarer Lauf, war bei weitem nicht so anstrengend, weil man in den Bergab-Passagen den Puls immer wieder senken konnte. Fast bedauerte ich es, dass ich nicht doch die lange Strecke gemeldet hatte, schade, dass es schon zu Ende war. Ein tolles Erlebnis.

In der Endabrechnung wurde ich 17., Platz 5 von 9 in der AK (und die älteste). Schade, dass hier von 31 bis 40 gewertet wird, bei den gewohnten Einteilungen hätte ich in der folgenden AK den 3. Platz erreicht. Das wäre doch ein Riesen-Ding, eine Flachländerin auf dem Podest in den Alpen…

Finish auf dem Rittisberg
Stimmung auf dem Rittisberg*

Am nächsten Morgen in der Früh suchte dann Peter die Herausforderung beim 6,5km Lauf hinauf auf den Rittisberg. 400 Höhenmeter waren hier zu bezwingen. Zwischen vor allem alten Recken konnte er nach Schwächen im anfänglichen Flachstück gegen Ende sogar noch ein paar Plätze gut machen. So wurde er am Ende 9. als zweitjüngster nach dem Sieger im kleinen Feld von knapp zwanzig Startern. Beeindruckend war der Zieleinlauf nach 46:10min auf der Bergspitze, super Stimmung und hübsche Mädels im Trachtenkleid verteilten die Finisher-Medaillen. Jetzt musste er nur noch den Berg wieder runter, um sich auch von seiner im Hotel verbliebenen Familie feiern zu lassen.

Bambini-Ehrung

Bambini-Ehrung

Gegen Ende des Urlaubes waren schließlich auch die Kinder an der Reihe. Traditionell schloss der Skikurs mit einem Bambini-Rennen ab. Hier waren natürlich alle Gewinner und so konnten auch die Nachwuchsrennfahrer mit den verdienten Medaillen heimkehren.

Rita

*Bildquelle: http://www.ramsausport.com

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