Neulich im Fitness-Club –
demnächst in der Reha

Neuerdings bin ich dank Prolaps im Bereich Reha-Sport aktiv. Das hat zur Folge, dass ich nun Dinge tue, von denen ich früher dachte, dass ich sie nie machen würde: Nordic-Walking und Walking habe ich im letzten Urlaub erprobt. Ist eine feine Sache, man kann durch das entspannte Tempo endlich mal die Natur so richtig genießen und wird dabei im Vorbeigehen freundlich von anderen Leuten mit Stöckchen in den Händen gegrüßt. Wenn nur diese arroganten Läufer nicht wären. Warum schauen die bloß so herablassend? Können die nicht einfach wegschauen und mich mit der Schmach, im Rentnertempo durch die Gegend zu schleichen, in Ruhe lassen?

Zu den nun von mir ausgeübten wundervollen Sportarten gehört auch Aquafitness. In einem früheren Leben hatte ich eine Instruktor-Lizenz in diesem Bereich erworben und ein paar Hochschulsport-Kurse für meist beleibtere Damen geleitet. Nun ja, ich war jung und brauchte das Geld. Das Referendariat brachte Zeitmangel und in diesem Fall Erlösung mit sich, ich konnte das Gehampel am Beckenrand nicht weiter praktizieren – auch wenn es ansonsten nur depressionsartige Befindlichkeiten auslöste und eine Befreiung von dem bis dahin angestrebten Berufsziel Lehrerin bewirkte.

Und nun finde ich mich in einem warmen Pool wieder. Um den Pool herum drapieren sich auf gemütlichen Liegen die gespannten Zuschauer und erfreuen sich an der Show. Ich bin froh, dass der Altersdurchschnitt meiner Fans bei ca. 60 Jahren liegt, dank des mittäglichen Termins haben die jungen knackigen Kerle anderes zu tun, als sich zwischen den Saunagängen das Elend einer früheren Ironwoman anzutun. Also stampfe ich durch das Wasser, vorwärts, rückwärts, seitwärts, ran, hoch und runter, mit und ohne Bodenkontakt, in verschiedenen Ebenen und auch mit lustigen Styropor-Hanteln in der Hand, versuche meine vergrabenen Kenntnisse ob der vielen Variationsmöglichkeiten zu reaktivieren. Schaue sehnsüchtig nach draußen, wo die Sonne lachend zu einem schönen Laufründchen auffordert. Aber nein, ich laufe im Wasser, in eine Glasvitrine gesperrt, in die nur hin und wieder die Ahnung eines Luftzuges durch die offene Tür hereinweht. Zwischendurch überlege ich, ob ich mich nach der Vorstellung verbeugen und einen Hut rum gehen lassen soll. Aber dann bin ich wieder voll konzentriert, das Wettkampffieber hat mich gepackt und ich versuche auf dem Außenring an einer lebendigen Boje, die Schwimmversuche unternimmt, vorbeizuziehen. Doch plötzlich muss ich abbremsen und eine schnelle Richtungsänderung vornehmen, um nicht mit einer Dame zusammenzustoßen, die etwa den dreifachen Umfang meines durch fehlendes Training jeglicher Muskulatur beraubten Körpers hat. Sie schaut mich ausdruckslos an. Vielleicht hat sie mich auch nicht wahrgenommen. Voll in Trance versucht sie mit gemächlichen Bewegungen ein paar Kalorien ihres letzten Mahles abzubauen.

In ein paar Tagen beginnt meine lang erwartete offizielle Reha. Fast drei Monate nach der Beantragung. Zwischendurch zweifelte ich erheblich an dem Sinn dieser Maßnahme, da es mir doch dank Ruhe, Physio, Akupunktur und selbst finanzierter PRT wieder ganz gut ging. Das Stabi-Training habe ich wieder aufgenommen, modifiziert, mit deutlicher Erhöhung des Dehnungsfaktors unter Zuhilfenahme von Flexibar und in Anlehnung an selbst angelesenes Pilates. Ich war wieder ein bisschen Radfahren, Schwimmen und auch ein paar Minuten Laufen. Aber ich wollte wohl zuviel und zwischendurch gab es Rückfälle und neue Erscheinungen. Gerade hat es sich wieder beruhigt. Nun erhoffe ich mir weitere Besserung durch Anwendungen sowie Hinweise, in welchem Bereich ich speziell arbeiten muss, um auch wieder das tun zu können, was ich so liebe: Ein paar Kilometerchen ohne Beschwerden durch den Wald laufen. Auf ein völlig schmerzfreies Leben wage ich schon lange nicht mehr zu hoffen.

Rita

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